BERUFSSTART in Thüringen - Ziele, Konzeption und bisherige Ergebnisse
Beiträge der Partner
Petra Druckrey, IMBSE Moers e. V.
Thomas Heß, Thüringer Kultusministerium
Dr. Norbert Kehr, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit
Simone Kaltbach, Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen mbH (GfAW)
Ingrid Weidhaas, IHK Ostthüringen
Christoph Eckhardt, qualiNETZ Beratung und Forschung GmbH, wissenschaftliche Begleitung
von links nach rechts: Christoph Eckhardt, qualiNETZ Beratung und Forschung GmbH; Dr. Norbert Kehr, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit; Ingrid Weidhaas, IHK Ostthüringen; Petra Druckrey, IMBSE Moers e.V.; Simone Kaltbach, Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen mbH; Thomas Heß, Thüringer Kultusministerium; Friedhelm Enke, Handwerkskammer Südthüringen (Moderation)
Petra Druckrey, IMBSE Moers e. V.
Stellenwert von BERUFSSTART außerhalb Thüringens
Das IMBSE in Moers hat im Jahr 1998 damit begonnen das Assessmentcenter-Verfahren Start für Jugendliche im Übergang Schule - Beruf zu entwickeln. Über das bqf-Programm gab es ab 2002 einen inhaltlichen Austausch mit dem Projekt BERUFSSTART. Auch bei der Begutachtung von Verfahren zur Kompetenzfeststellung im Rahmen des bqf-Transfervorhabens zur Entwicklung von Qualitätsstandards für Verfahren zur Kompetenzfeststellung spielt BERUFSSTART eine große Rolle. BERUFSSTART ist weit über Thüringen hinaus bekannt und hat eine bedeutende und herausragende Stellung.
Neuentwicklungen im Bereich der Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung aus wissenschaftlicher Sicht – nicht nur im Osten
In BERUFSSTART sind bereits viele Elemente enthalten, die in vielen der bundesweit derzeit entstehenden Angebote zur vertieften Berufsorientierung erst erprobt werden. Dazu zählen beispielsweise Elemente wie die Netzwerkbildung, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Kammern oder die abgestimmte Kooperation mit den Agenturen. Hier könnte BERUFSSTART seine Erfahrungen weitervermitteln. Man könnte sagen: BERUFSSTART befindest sich schon auf dem Weg, der für andere Projekte noch ganz neu ist.
Thomas Heß, Thüringer Kultusministerium
Vorzüge von BERUFSSTART gegenüber anderen Projekten
BERUFSSTART ist ein Projekt, zu dem wir von Anfang an gestanden haben. Als Kultusministerium stehen wir in der Pflicht, auch über das nachzudenken, was nach der Schule passiert – nicht nur im Sinne unserer Schülerinnen und Schüler, sondern auch im Sinne der Thüringer Wirtschaft.
Auf Grundlage des Schulgesetzes haben wir den Auftrag, uns um das zu kümmern, was die jungen Leute nach der Schule erwartet. Inzwischen haben wir an den Schulen eine Vielzahl von Projekten, die sicherstellen, dass alle Regelschülerinnen und -schüler qualifiziert in Kontakt mit wirtschaftlichen Prozessen kommen.
Ein flächendeckendes Projekt wie BERUFSSTART hat da die Möglichkeit der wissenschaftlichen Begleitung, was kleinere Projekte nicht leisten können. Von daher ist uns BERUFSSTART von Anfang an sehr wichtig gewesen.
Bei BERUFSSTART wird aber auch die Aufgeschlossenheit der Thüringer Wirtschaft und der Institutionen der Wirtschaft deutlich, die sehr gut und förderlich ist.
Der Wille, etwas für unsere Schülerinnen und Schüler zu tun ist wirklich beispielhaft. Dort haben wir einen ausgezeichneten Stand erreicht und da sollten wir ganz einfach weitermachen.
Bildungsbegleitung aus Mitteln der Schule?
Das Kultusministerium möchte diesen schwierigen Prozess der Berufswahlvorbereitung und Berufsfindung individueller auf einzelne Schülerinnen und Schüler hin zuschneiden, ohne ihnen selbst und auch den Eltern die Verantwortung aus der Hand zu nehmen.
Es gibt eine Fülle an Informationen und Möglichkeiten, bei denen es oftmals daran mangelt, dass sie nicht zum richtigen Zeitpunkt oder in der richtigen Weise an den Schüler bzw. die Schülerin kommen. Deshalb ist es uns wichtig, dass wir den Prozess der Berufswahlvorbereitung besser angepasst gestalten.
In BERUFSSTART haben die Bildungsbegleiterinnen und –begleiter eine Coachingfunktion und gewährleisten die individuelle Informationsvermittlung und Begleitung.
Das Projekt BERUFSSTART ist in seinen Bestandteilen und seiner Weiterentwicklung bis zum Jahr 2011 gesichert. Insofern können wir in den nächsten Jahren auch auf die Bildungsbegleitung bauen.
Dr. Norbert Kehr, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit
BERUFSSTART als Dauerleistung? Finanzielle Planungssicherheit
Zuwendungen kann man nur in Übereinstimmung mit dem Paragraphen 23 und 44 Thüringer Landeshaushaltsordnung gewähren. § 23 spricht vom besonderen Interesse des Landes, und dieses ist gegeben. Geld steht im Rahmen des ESF durchaus zur Verfügung. Das operative Programm des Freistaates Thüringen war eines der ersten, das mit genehmigt worden ist und sieht für die Periode von 2007 bis 2013 629 Millionen Euro vor. BERUFSSTART als Berufsvorbereitungsprojekt fällt unter die Prioritätsachse 2 und von diesen 629 Millionen sind für diese Prioritätsachse 2 37,7 Prozent der Mittel vorgesehen.
Voraussetzung für eine Bewilligung ist allerdings immer der Landeshaushaltsplan. Sie können nur das ausgeben, was Ihre Mitglieder im Landeshaushaltsplan bestätigt haben - in dem Fall also die Thüringer Parlamentarier. Unser Haushaltsplan sieht in der Regel 2 Jahre vor, und dafür besteht jeweils Sicherheit, und langfristig würde ich meinen, durch das operative Programm bis 2013 besteht eine ziemliche Sicherheit.
Simone Kaltbach, Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen mbH (GfAW)
Möglichkeiten zur Vereinfachung der finanziellen Umsetzung
Wir sind natürlich an die bestehenden Gesetze und Verordnungen gebunden. Aber die GfAW hat daran mitgewirkt, dass die Verwaltungsabläufe den praktischen Erfordernissen entsprechend angepasst wurden und werden, so weit es uns im gesetzlichen Rahmen möglich ist.
Nichts desto trotz ist das Projekt auch für uns als GfAW als umsetzende Behörde eine sehr große Herausforderung. Der erste Projektantrag wurde im Jahr 2003 durch die Handwerkskammer Südthüringen gestellt und beinhaltete die Anträge der übrigen Partner. Alle, die an dem Projekt mitgewirkt haben, wissen, dass schon die eine oder andere Steuergruppensitzung notwendig war, um Unstimmigkeiten auszuräumen. Aber letztendlich geht es darum, dass das Projekt optimal läuft und alle Beteiligten ziel- und ergebnisorientiert arbeiten.
Inzwischen stellen die drei Handwerkskammern und die Ausbildungsverbünde ihre Anträge separat. Damit sind wir im Hinblick auf die Vereinfachung und Transparenz im Rahmen des Abrechnungsverfahrens auf dem richtigen Weg.
In der neuen Förderperiode ist beabsichtigt, die eine oder andere weitere Vereinfachung einzuführen. Wie weit diese reichen wird , kann ich aber noch nicht versprechen. Wir haben BERUFSSTART bislang zusammen erfolgreich bewältigt, sowohl inhaltlich als auch umsetzungstechnisch, und sind optimistisch, dies in der neuen Förderperiode wiederum zu tun.
Ingrid Weidhaas, IHK Ostthüringen
BERUFSSTART aus Sicht der Betriebe
Die Unternehmen schätzen BERUFSSTART als ein Produkt, welches ihnen die Personalauswahl erleichtert. Sie bekommen einen Schüler oder eine Schülerin ins Praktikum, der oder die schon ein bisschen mehr über den Beruf weiß, motivierter ist und damit gute Chancen für eine betriebliche Ausbildung erhält. Deshalb ist BERUFSSTART auch ein Instrument der Fachkräfteentwicklung. Es gibt mittlerweile etwa 350 anerkannte Ausbildungsberufe. Dazu kommen ca. 100 Vollzeitabschlüsse. Wer soll da noch für sich den geeigneten Beruf finden? BERUFSSTART bringt junge Leute und Betriebe zusammen und motiviert so beide Seiten, frühzeitig aufeinander zuzugehen.
Möglichkeiten zur Weiterentwicklung
Wir wollen künftig noch mehr Abiturienten für betriebliche Ausbildung gewinnen. Zurzeit sind 15 % der Ausbildungsanfänger Abiturienten. Sie haben gute Karrierechancen im Betrieb. Wir wollen noch breitere Berufsorientierungsmöglichkeiten für alle Schüler bieten und könnten damit weitere Berufsfelder erschließen.
Christoph Eckhardt, qualiNETZ Beratung und Forschung GmbH, wissenschaftliche Begleitung
Weiterentwicklungen in den Schulen
Wir haben mit BERUFSSTART erprobt, wie man mit schulfremdem Personal, nämlich Bildungsfachleuten der Kammern und Ausbildungsverbünde, die Arbeit in den Schulen bereichern kann.
Allgemein wird immer gewünscht, dass sich die Schule besser den Anforderungen der Wirtschaft anpassen soll. BERUFSSTART zeichnet sich dadurch aus, dass umgekehrt die Wirtschaft in die Schule hineingetragen wird – sei es in Form der Bildungsbegleitung, sei es durch die von Betrieben bereitgestellten Kapazitäten.
Im Rahmen der Evaluation haben wir uns gefragt, inwieweit diese und ähnliche Projekte die Schule verändern. Von der Wissenschaft ist bestätigt worden, dass der Auftrag, für den Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet worden sind, nämlich Unterricht durchzuführen, tatsächlich nur die Hälfte der Anforderungen ausmacht. Wünschenswert wäre es, Schule durch Fachleute anderer Professionalität anzureichern, seien sie aus der Wirtschaft, seien es sozialpädagogische Fachkräfte, die im erzieherischen Bereich ihre Schwerpunkte setzen, seien es Bildungsbegleiter, die aus der beruflichen Bildung ihre Kompetenz in die Schule einbringen.
Eine wünschenswerte Perspektive wäre es, dass Schule sich öffnet und künftig wirklich multiprofessionell arbeitet, genauso wie eben auch in der Wirtschaft die Zusammenarbeit von Fachleuten unterschiedlicher Herkunft in Teams selbstverständlich geworden ist.